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Ian McEwan

Unsichtbare Schauplätze

Barbara Piatti
»›Das Hotel von Eduard und Florence (…) gibt es nicht.‹ Von den Möglichkeiten der Literatur, unsichtbare Schauplätze zu schaffen.«

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Inspirationsquelle des Aufsatzes war eine ironisch-doppelbödige Nachbemerkung aus Ian McEwans Roman On Chesil Beach (2007), die da lautet:

“Die Personen dieses Romans sind frei erfunden, Ähnlichkeiten mit Lebenden oder Toten sind rein zufällig und nicht beabsichtigt. Das Hotel von Eduard und von Florence – etwas mehr als eine Meile südlich von Abbotsbury in Dorset am Feldrand hinter dem Strandparkplatz – gibt es nicht.”

In dem Aufsatz wird zwischen sichtbaren und unsichtbaren literarischen Schauplätzen unterschieden. Als sichtbar benannt sind jene, die in unserer Realität eine Entsprechung haben, also etwa der Genfersee aus Mary Shelleys Frankenstein oder Venedig aus Thomas Manns Novelle Tod in Venedig (dass realer und fiktionaler Ort in keiner Hinsicht und niemals deckungsgleich sein können, versteht sich von selbst). Für die unsichtbaren Schauplätze hingegen eröffnet sich eine ganze Skala:

“Zum einen betrifft das diejenigen Ortschaften, Stadtteile, Regionen, die nur mehr im Modus der Fiktion existieren, weil ihre ursprüngliche Gestalt zerstört worden ist (durch Kriege, Naturkatastrophen, stadtplanerische Neukonzeptionen). (…). Am anderen Ende der Skala finden sich in die Zukunft projizierte Räume, zumeist Schauplätze von Katastrophen und Dystopien.”

Zusätzlich besprochen werden gänzlich imaginäre Räume, die nach der vorliegenden Definition ebenfalls das Prädikat »unsichtbar« tragen.

Piatti, B. (2007): »›Das Hotel von Eduard und Florence (…) gibt es nicht.‹ Von den Möglichkeiten der Literatur, unsichtbare Schauplätze zu schaffen.« In: Hermeneutische Blätter H. 1/2 (2007) special issue »Unsichtbar«, S. 250-260. ➔ Download

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