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Literaturgeographie ist ein weites Feld: Weshalb wählen Schriftsteller für ihre Geschichten Schauplätze, die ein «realweltliches Pendant» haben? Oder weshalb tun sie es gerade nicht, erfinden Handlungsräume oder verschleiern eine bekannte Gegend durch imaginäre Toponyme (resp. Pseudonyme)? Welche Funktionen erfüllen diese «Räume des Realen» oder des «Imaginären» innerhalb des Handlungsgefüges?
Warum verspüren gewisse Lesende den Wunsch, literarische Schauplätze in der «Realität» aufzusuchen? Wozu die passionierten Versuche, nur in der Fiktion existierende Orte und Länder kartographisch darzustellen? Weshalb die Versuchung, im Atlas nachzuschlagen, um zu erfahren, ob es den Ort, von dem man gerade liest, auch in der Wirklichkeit gibt? Gibt es spezifisch «topographische» Werke und Dichter, und wie wäre diese Qualität zu definieren? Was bedeutet es, wenn man einem Autor/Erzähler ‚Fehler» nachweisen kann, Ungenauigkeiten, Inkorrektheiten in der Topographie? Weshalb werden Romanen, teilweise schon in den Erstdrucken, Karten des Handlungsraumes beigegeben?
Untersucht werden diese Fragen am Beispiel von drei Modellregionen: Vierwaldstättersee/Gotthard, Prag und Nordfriesland werden im Modus von epischen und dramatischen Handlungsräumen untersucht. Ausgehend von diesen Territorien sollen die Wechselwirkungen zwischen Realraum/Georaum und den in den Texten geschaffenen Räumen - den Texträumen - präziser erfasst werden. In welcher Weise reagieren literarische Werke auf eine Region bzw. was «machen» sie aus ihr? Eine weitere Herausforderung besteht in der Frage, wie und ob überhaupt scheinbar ortsunabhängige Texte zu verzeichnen wären.
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